Stimme – seit Jahrhunderten beschäftigt das Medium und seine Macht die Menschen. Schon in der Antike schafften es die mythischen Sirenen nur mit Hilfe ihrer Stimme, Seemänner grausam in den Tod zu reißen. Sie veranlassten den antiken Dichter Homer zu seiner berühmten Odyssee, und ihr Mythos wirkt bis heute in der europäischen Kulturgeschichte nach. Warum aber gelang es den griechischen Fabelwesen, durch ihre Stimme solch eine Macht auszuüben? mehr...

Dieser Erscheinung nähern wir uns in der 38. Kulturwelle. Am Beispiel des Lachens spüren wir der sozialen Macht der Stimme gerade in ihren Extremformen nach. Gemeinsam mit dem Medienwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Ernst nähern wir uns daraufhin dem Sirenenmythos. Auf einer Expedition zu den Galli-Inseln vor der Küste Siziliens hat er selbst versucht, den medialen Bedingungen des Phänomens auf die Spur zu gehen – und den geheimnisvollen Klang der Sirenen mit moderner Tontechnik festzuhalten. Diese Reise führt uns ebenso zu den Möglichkeiten und Grenzen, das Phänomen „Stimme“ fassbar zu machen.

Also schaltet ein, wenn man das griechische Meer rauschen hört, die Sirenen ihre verführerischen Stimmen zum Besten geben und wir euch auf eine kultur- wie medienwissenschaftliche Odyssee durch das Medium Stimme einladen.

Eine Sendung von Anna Fierz, Philipp Köpp und Jann Mausen

 

 

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Bild: Odysseus and the Sirens von J. W. Waterhouse. Plakat: Joshua Klein

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Reproduzierte Klänge gehören heute fest in unseren Alltag. Zumeist hören wir Musik, egal ob auf unseren Mp3-Playern oder über das Radio. Als am Ende des 19. Jahrhunderts das Grammophon und der Phonograph das Aufzeichnen von Klängen erstmals erlaubten, war an Musikaufnahmen noch kaum zu denken. Die eigentliche Faszination der Geräte lag zunächst in der Möglichkeit der Stimmaufnahme. Schallplatten und Walzen aus Wachs wurden so zu Zeitzeugen, die den Klang des Vergangenen lebendig hielten. Die neue Technik fand schnell ihren Platz in der Wissenschaft und ganze Tonarchive mit Aufnahmen aus aller Welt entstanden. Doch diese ersten Aufnahmegeräte waren nur bedingt präzise, wenn es um die Speicherung von Schall ging. Inwieweit hat das Medium selbst den Klang geprägt und wie stand es um die Klangtreue von Phonograph und Grammophon?

Eine Sendung von Nikita Hock, Jens Dewald, Johannes Maibaum und Matthias Rech

 

 

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Ein Beitrag von Johannes Maibaum

Von der besonderen Stellung des Phonographen in der Wissenschaft zeugen so manche historischen Aufnahmen, die uns bis heute erhalten geblieben sind.
So auch die Experimentalaufnahmen des Philosophen und Psychologen Carl Stumpfs, der zum Thema „Sprachlaute“ die menschliche Stimme mittels Phonographen erforschte und durch seine wissenschaftlichen Versuchen mit der Technik zu neuen Erkenntnissen kam.
Und dennoch tönen hier nicht nur  die menschlichen Laute. Gleichzeitig beweisen diese Aufnahmen, dass zu Beginn der technischen Tonaufzeichnung auch eine andere Stimme immer präsent war: Die Stimme des Phonographen selbst.


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Ausgestrahlt in: Klanggeschichten – Spuren aus dem Tonarchiv

Bild: Gaststätten-Grammophon der Mammut-Werke Wien, um 1910 by Andreas Praefcke. From Wikimedia Commons. Public Domain

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Ein Beitrag von Jens Dewald

Zeppeline faszinieren uns bis heute und stehen für die Blütezeit der zivilen Luftfahrt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und diese Faszination der Menschen für das Reisen in der Luft findet sich auch in historischen Phonographen-Aufnahmen wieder.

Von der Schönheit der Luftfahrt zeugt unter anderem der Zeppelin-Pionier Hugo Eckener, der von eine der ersten Nord-Atlantik-Reisen mit dem Zeppelin berichtet. Aber auch das Ende Zeppeline wurde akustisch bewahrt, wie die Archivaufnahmen des US-amerikanische Radiojournalisten Herbert Morrison beweisen. Dessen Bericht zum Brand der Hindenburg dokumentiert nicht nur die Ereignisse vor Ort, sondern führt uns vor Ohren wie auch das Phonogramm ein Ereignis akustisch einschreiben kann.


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Ausgestrahlt in: Klanggeschichten – Spuren aus dem Tonarchiv

Bild: Hindenburg-Brand. From Wikimedia Commons.

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Ein Beitrag von Matthias Rech

Was für uns heute unmöglich erscheint, war bis weit ins späte 19. Jahrhundert bittere Realität: Stimmen, Geräusche und Töne konnten nicht für eine spätere Wiedergabe festgehalten werden.
Erst die Erfindung des Phonographen durch Thomas Edison 1878 sollte dies ändern. Auf Wachswalzen konnten nun endlich Töne konserviert und somit der Nachwelt erhalten bleiben. Genau dies vermochte auch Emil Berliners Grammophon, mit dem einzigen Unterschied, dass die akustischen Signale statt auf Walzen auf Wachsplatten eingeschrieben wurden.

Mit diesen – wenn auch konkurrierenden – technischen Entwicklungen war das Speichern und Abspielen, aber auch das Kopieren und die Verbreitung von Aufnahmen zur neuen Errungenschaft des täglichen Lebens geworden. Und auch in der Wissenschaft breite Verwendung fand.


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Ausgestrahlt in: Klanggeschichten – Spuren aus dem Tonarchiv

Bild: Edison’sche Wachswalze by Norman Bruderhofer. From Wikimedia Commons. CC BY-SA 3.0

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