Afterhour #006: Radio Nasal

In Nikolaj Gogols Erzählung „Die Nase“ von 1836 findet ein Barbier eine abgeschnittene Nase in seinem Frühstücksbrot. Gleichzeitig erwacht ein Beamter – wie sonst – ohne Nase. Er macht sich auf die Suche, begenet sogar seiner Nase, allerdings entwischt sie ihm. Seit Gogols modern-surrealistischer Erzählung avant la lettre muss sich niemand mehr wundern, so schreibt die Zeit zu Gogols 200. Geburtstag, wenn er eines morgens als Käfer erwacht.

In der Afterhour #6 nehmen wir uns der Nase an – nicht nur der Erzählung, sondern des Körperteils, der so sehr ins Auge springt und seit der Aufklärung doch verdrängt scheint. Wo Gott Adam den Lebenshauch einflößte, ist heute der Sitz zweifelhafter Konnotationen – Nasen werden in fremde Angelegenheiten gesteckt, wer lügt bekommt eine lange Nase, ihr wisst, was man über Männer mit langen Nasen sagt – den Verbindungen vieler dieser Redewengungen und Klischees zum historischen und gegenwärtigen Antisemitismus wollen wir besondere Aufmerksamkeit schenkten.

Ist die Nase ein verdrängter Körperteil, der immer wieder zurückkehrt?

Außerdem: Techno und Nasenflötenmusik.

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