Ein Beitrag von Neela Janssen
Viele Methoden der Pränataldiagnostik gehören bereits heute wie selbstverständlich zu einer Schwangerschaft in Deutschland dazu. Das Ziel der Untersuchungen ist dabei klar: Man möchte ein gesundes Kind zur Welt bringen und dabei schon in der Schwangerschaft alles für eine sichere Zukunft des Babys tun.

Eine besonders ambivalente Rolle nimmt dabei der Arzt ein: Ist er nun entziffernder Experte oder reines Sprachrohr für medizinische Daten, Produzent oder Medium von Zukunftswissen? In welchem Verhältnis steht er zu den hoffnungsvollen Eltern, dem geheimnisvollen Labor, der auf Zukunft gerichteten Gesellschaft? Lassen sich hier vielleicht sogar Echos antiker Orakel, ja der alttestamentlichen Propheten erkennen?

Ein Beitrag über aktuelle Techniken der Pränataldiagnostik und ihre Parallelen in vormodernen Techniken der Vorhersage.

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Ausgestrahlt in: »Vor-Sicht! Vor-Sorge!« – Über das Wissen, Gestalten und Verhindern von Zukünften

Bild: The Crystal Ball von John William Waterhouse

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»Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollten«, sagte einmal der Künstler Joseph Beuys. Die Zukunft ist demnach radikal unbestimmt, das heißt menschliche Verhandlungsmasse, egal ob sie von Gott, einem Schicksal oder anderen Prognoseverfahren erzeugt wird. Sie ist immer schon eine Erfindung. Diese Erfindung aber müssten wir selbst immer wieder neu vornehmen und dem Herannahen einer ungewollten Zukunft prä-ventiv zuvorkommen – was nur möglich wird, indem wir den Blick in den Möglichkeitsraum der Zukunft wagen und uns vorstellen, was möglicherweise kommen könnte.

Mit diesem Möglichkeitsraum – der lange Zeit vorbestimmter Raum war – wollen wir uns in der aktuellen Ausgabe der Kulturwelle befassen, sowie mit verschiedenen Zugriffen darauf, in Geschichte wie Gegenwart. Neela Janssen erforscht dafür in ihrem Feature aktuelle Techniken der Pränataldiagnostik und sucht nach Parallelen in vormodernen Techniken der Vorhersage. Darüber hinaus werden wir uns mit der Wiener Literaturwissenschaftlerin Eva Horn über das moderne Verhältnis zur Zukunft als Katastrophe unterhalten und mit dem Berliner Kulturwissenschaftler Stefan Willer über vergangene Zukunftsmodelle das aktuelle Sicherheitsdenken sowie Chancen und Risiken gegenwärtiger Präventionstechniken sprechen. Schließlich wollen wir selbst einen Blick in die Zukunft  wagen und uns fragen: Wohin entwickelt sich das Zukunftswissen?

Eine Sendung von Bernadette Breyer und Constantin Hühn

 

 

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Das Langzeitprojekt 100 Jahre Gegenwart im HKW findet ihr hier.

Das Performance-Festival Foreign Affairs läuft noch bis zum 5. Juli und ist zu finden auf den Seiten der Berliner Festspiele. Darunter auch: die 24-Stunden-Performance “Mount Olympus. To glorify the cult of tragedy

Das Buch 2112 – Die Welt in 100 Jahren erschien 2012 bei Georg Olms und ist zu finden über die: ISBN-Suche

 

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“Diamonds Are a Girl’s Best Friend” – so besang Marilyn Monroe in den 1950er Jahren die ikonischen Edelsteine, die seit jeher als Inbegriff von glamorösem Schmuckstück gelten. Und schon diese Formulierung deutet an: Schmuck ist nicht nur Statussymbol oder schönes Beiwerk – seine Wirkmacht geht weit über seine ästhetische Funktion hinaus. Sei es das schutzbringende Amulett, die gerade modische Kette oder auch der Ring des Großvaters, in dem er anwesend scheint: Schmuck entzieht sich der Eindeutigkeit und scheint gerade heute mehr denn je Schnittstellen und Ambivalenzen zu besetzen und zu markieren.

In der 27. Sendung der Kulturwelle widmen wir uns genau diesen Spannungen und wollen etwas genauer nachfragen: Was sagt uns dieses Phänomen, das uns als ästhetischer Gegenstand und zeichenhaftes Statussymbol, als banaler Zierrat und bedeutungsgeladenes Fetischobjekt begegnet? Wie gehen wir heute mit Schmuck um – und was macht der Schmuck mit uns?

Im Studio begrüßen wir dazu den Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Hartmut Böhme. Wir verfolgen nach, wie und warum ein einfaches geometrisches Schmuckstück wie das Dreieck zum Erkennungsmerkmal des diffusen Sozialtyps »Hipster« aufstieg. Anhand der immer beliebteren Praktik des Umschmelzens von geerbeten Schmuckstücken erkunden wir dann, wie sich Erinnerungskulte mit modischem Anspruch vertragen – und ob wir beim Verhandeln dieser Spannung dem Schmuck nicht vielleicht doch mehr Macht über uns verleihen, als uns geheuer ist.

Schließlich macht auch eine neue Rubrik Premiere. Im Druckerraum des Instituts stellen wir frischgebackenen Absolventen zwischen Papierstau und Tintenflecken die drängende Frage: “Was druckst du?”

Eine Sendung von Constantin Hühn, Nikita Hock und Sebastian Schwesinger

 

 

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Das Buch Von der Reliquie zum Ding von Stefan Laube erschien 2011 im Akademie-Verlag und beschäftigt sich mit der materiellen Kultur des Christentums: ISBN-Suche

Die Dissertation Im Leibe Wohnen von Claudia Benthien liefert einen kulturanthropologischen Querschnitt durch Hautbilder. Sie ist ebenfalls veröffentlicht als Haut. Literaturgeschichte – Körperbilder – Grenzdiskurse in Rowohlts Enzyklopädie: ISBN-Suche

Die Ausstellung Bin ich schön läuft noch bis zum 23. Februar 2014 im Museum für Kommunikation. Das Programm findet sich unter: http://www.mfk-berlin.de/bin-ich-schoen/

 

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Ein Hinkefuß, ein Muttermal, die falsche Köpertemperatur. Erst bei genauer Betrachtung erkennt man ihn – der Teufel steckt im Detail. Ein Grund für die Wandelbarkeit diese Figur liegt nicht zuletzt darin, dass die Menschen ihre unterschiedlichsten Ängste und Begierden auf sie projizieren. Der Teufel tritt so als Akteur auf, der immer neue Aufgaben übernimmt: Versprechen, Kennzeichen,  Entfesseln. Doch auch sein Auftritt selbst muss meist erst herbeigeführt werden: Identifizieren, Paktieren, Vertreiben…

Auf den Spuren des Teufels durchschreiten wir gemeinsam mit der Kulturhistorikerin Jasmin Mersmann die Epochen vom Mittelalter bis zur Gegenwart und werfen einen Blick auf die kulturellen Praktiken, die den Teufel umgeben, die ihn herbeibeschwören und die ihm seine Macht verleihen. Wir beginnen bei der Verfolgung von Kinderhexen im Mittelalter, während der Sieben- bis Zwölfjährige durch die Inquisition der Hexerei beschuldigt wurden. Wie sich das Bild des Teufels seitdem vervielfältigt und gewandelt hat, entwirren wir darauf am Beispiel des Teufels im Heavy Metal, dessen Anhänger sich in Liedtexten, Plattencovern oder bei Konzerten nicht selten freiwillig »verteufeln«.

Bedenkt: der Teufel, der ist alt, // So werdet alt, ihn zu verstehen! – Johann Wolfgang von Goethe, Faust II, Vers 6815 ff. / Mephistopheles

Eine Sendung von Elisabeth Stumpf

 

 

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Zum Film Global Metal des Kulturanthropologen Sam Dunn gibt es hier mehr Informationen: Homepage / Wikipedia

Das frisch erschienene Buch Unter Teufeln. Literarische Bilder von Maria Alves kann hier nachgeschlagen werden: Rezension / ISBN-Suche

Die Ausstellung Die Göttliche Komödie im MMK Frankfurt läuft noch bis zum 27. Juli und kann hier gefunden werden: Homepage

Ein ausführliches Interview mit dem Teufelspriester Raul Antony findet sich in dem Podcast Atheist Airwaves.

 

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