Die Schallplatten-Rundschau, russischer Titel Krugozor, zirkulierte seit den frühen 1960er Jahren in der Sowjetunion. Das bunte Heft mit den papierdünnen, abspielbaren Flexidiskplatten sollte bilden – politisch wie kulturell – und unterhalten. Wir testen im Studio einen der Kanäle dieses kuriosen Medienverbunds und hören hinein, was für Inhalte er quer durch die Sowjetunion transportierte.

Mehr dazu in der Magazinsendung: Hörigkeit. Medium und Ideologie Facebooktwittermail

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Ein Beitrag von Maria Dubova

In den frühen 1960er Jahren geht in der Sowjetunion zum ersten Mal ein buntes Heft von Hand zu Hand. In die Bindung sind papierdünne, abspielbare Flexidiskplatten eingelassen: Die Schallplatten-Rundschau, russischer Titel Krugozor.

Einmal aufgeschlagen, präsentierte das multimediale Magazin den Lesern und Zuhörern eine seltsame Mischung: Leninreden fanden hier Platz neben gesungenen Reportagen bekannter Liedermacher; ethnographische Aufzeichnungen vom Rand des Imperiums teilten sich die Nadelspur mit ideologisch suspekter, aber umso beliebterer Westmusik.

Wie kam es zu dieser seltsamen Mischung aus „multimedialer Bildung für das ganze Volk“ und staatlich verordneter Propaganda? Wer hat den Krugozor gestaltet, wer hat ihn gehört – und wie? Eine kleine Spurensuche mit Unterstützung ehemaliger Fabrikarbeiter, nostalgischer Redakteure und passionierter Amateursammler, vom Dachboden der Großeltern bis in Schallplattenarchive in Moskau.


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Ausgestrahlt in: Hörigkeit. Medium und Ideologie

Bild: Обложка журнала "Кругозор" апрель 1970 von Andshel auf Wikipedia

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Was verbindet Nikita Chruschtschew mit einem Schallplattenspieler? Der eine ist ein Apparat, der andere ein Apparatschik. Auch sonst haben beide viel miteinander zu tun: Jede politische Führung benutzt Medien, um ihre Ideologien zu verbreiten. Heute noch scheint zu gelten: Wer sich am besten auf die Medien einlässt, gewinnt Wahlen. Das bewiesen Obamas SMS-Kampagne oder Medienkanzler Gerhard Schröder. Ob Schallplatte, Radio, Fernsehen, Internet – sie alle dien(t)en als Vehikel für politische Botschaften. Doch wenn Ideologien die Inhalte der Medien formen, inwiefern formen Medien die Inhalte von Ideologien? Lassen sich Inhalt und Form hier überhaupt trennen? Zum Beispiel: Warum gab es einen Volksempfänger, aber keinen Volkssender?

Die 30. Ausgabe der Kulturwelle ist dem akustischen Medium gewidmet, das Hörende und mitunter auch Hörigkeit erzeugt. Dazu berichten wir über den Krugozor, ein Schallplattenmagazin in der Sowjetunion, das neben Leninreden und Reportageliedern immer auch begehrte Westmusik enthielt. Beim Aufspüren von Ideologie(n) wird uns Theodor W. Adorno helfen, während Adorno-Archivar Michael Schwarz erklärt, warum der Frankfurter Philosoph den Rundfunk so schätzte. Im Studio begleitet uns der Medienwissenschaftler Dr. Jan Claas van Treeck durch alle Verflechtung von Ideologie(kritik) und medialen Konstellationen.

Eine Sendung von Johanna Tirnthal und Jürg Andreas Meister

 

 

download Download | Musik der Sendung | Veranstaltungstipps

In die digitalisierten Ausgaben als auch der dazugehörigen Musik des Krugozor könnt ihr hier eintauchen: http://www.krugozor-kolobok.ru/

Wer gerne tiefer in Adornos Gedanken einsteigen möchte, dem sei ein Besuch des Theodor W. Adorno Archivs im Walter Benjamin Archiv der Akademie der Künste (Berlin) empfohlen. Informationen zum Archiv findet ihr hier.

Wem die Musik der Sendung gefallen hat, der kann die Künstler Benjamin Geyer und Nils Wrasse am 20. Mai 2015 im Jazz-Café Noymann Miller in der Nähe des Innsbrucker Platzes live sehen.

 

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