Wie viele Schritte bin ich heute gegangen? Wie effizient meditiere ich? Um wieviel produktiver werde ich durch ein Stück Butter im Kaffee? Und was sagen meine gesammelten Tippfehler über mein Selbst aus?

Mit Selftracking-Apps und Smartphone-Zubehör sind Fragen wie diese zu alltäglichen Begleitern geworden. Schlanke Fitness-Armbänder messen Puls und Kalorienverbrauch nicht nur beim Sport, sondern auch beim Treppensteigen oder beim Tanzen im Club. Die Selbstvermessung, die viele nur nebenbei betreiben, ist sogar zum Hauptinteresse einer ganzen Bewegung geworden, die sich »Quantified Self« nennt. Nach dem Leitspruch »Selbst-Erkenntnis durch Zahlen« wird versucht, neuen und tieferen Wahrheiten über das eigene Selbst auf die Spur zu kommen. Die philosophische Aufforderung des antiken Orakels: »Erkenne dich selbst« scheint dabei einem Aufruf zur Datenerhebung zu weichen: »Quantify thyself«.

In der Sendung nehmen wir den Trend zur digitalen Selbstvermessung zum Anlass, mit mehr...

unserem Studiogast Antonio Lucci der Kulturgeschichte der Selbstbeobachtung nachzuforschen: Wie sahen frühere Strategien aus, sich dem »Selbst« zu nähern? Welche Selbsttechniken wurden dazu genutzt? Und was ist eigentlich neu am »Quantified Self«? Dabei spielt auch die Geschichte der Messtechnik eine wichtige Rolle, zu der wir die Kulturwissenschaftlerin Anna Echterhölter befragt haben. Ein historischer Blick verrät, dass die Selbstvermessung nicht nur als Mittel der Erfahrung und Emanzipation verstanden werden kann, sondern dass das Verhältnis zwischen dem Selbst und seiner Quantifizierung wesentlich komplexer ist. Die Vermessung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einem engen Netz aus Machtbeziehungen und Interessen, das wir in unserer Live-Sendung erkunden.

Eine Sendung von Constantin Hühn, Jann Mausen, Johanna Tirnthal und Alina Topf

 

 

download Download | Musik der Sendung | Weiterforschen

Bild: L'Uomo Vitruviano von Leonardo da Vinci | Photo von Luc Viatour | Poster von Kulturwelle

Facebooktwittermail
weiter

„In dem Oberteil siehst du aber ganz schön dick aus!“ Für viele eine Beleidigung. Dann doch lieber um- oder den Bauch einziehen. Und lieber nur die kleine Portion im Restaurant. Und den Nachtisch lass ich lieber ganz weg. Vielleicht doch mal diese neue Diät ausprobieren? Wer hat die Deutungshoheit über den schönen, den normalen, den begehrenswerten und den gesunden Körper? Und wie kann ein Gegenentwurf aussehen?

Das erklären die drei Protagonistinnen dieses Features: Sie sind Fettaktivistinnen und Teil einer körper- und fettpositiven Gegenkultur. Die politische Bildnerin Magda Albrecht, die Aktivistin Kristina Kuličová und die Bloggerin Anna Kumher zeigen, wie Vorstellungen über Dicksein im Alltag Normen setzt – von Mode bis Medizin, Freibad bis Flugzeugsitz – und wie sie dagegen vorgehen. Ihre Strategien und Interventionen ähneln denen von anderen feministischen Kämpfen um Identitätspolitiken: Coming Out, Begriffe wieder aneignen und neu besetzen, eigene soziale Schutzräume schaffen.

Warum binden soziale Normen nicht mehr? Warum erzeugen sie Abwehrreaktionen? Wie verhandeln sie die Beziehung zwischen vorherrschendem Diskurs und individuellem Körper neu? Und reicht die Aufdeckung zum Öffnen neuer Handlungsspielräume? Die Protagonist_innen zeigen uns: Das Persönliche ist immer noch politisch. Ideologien und Bewertungen werden immer kulturell hergestellt und sind alles andere als natürlich. Das gibt uns den Raum, sie zu hinterfragen und zu dekonstruieren.

Ein Feature von Lara Deininger

 

 

download Download | Musik der Sendung | Veranstaltungstipps

Wer sich gerne mehr in das Thema vertiefen möchte, kann auf diese beiden Literaturtipps zurückgreifen:

Henning Schmidt-Semisch und Friedrick Schorb (Hg.): Kreuzzug gegen Fette. Sozialwissenschaftliche Aspekte des gesellschaftlichen Umgangs mit Übergewicht und Adipositas. 2008. Wiesbaden. [Buch in der DNB]

Eva Barlösius: Dicksein. Wenn der Körper das Verhältnis zur Gesellschaft bestimmt. 2014. Frankfurt/New York. [Buch in der DNB]

Keine Lust auf Lesen sondern aktiv diskutieren? Das ist unter anderem auf der 3rd Annual Weight Stigma Conference vom 18. – 19. September 2015, Reykjavik Universität, Island  möglich.

Eine Themenparty im Mai mit Show und Workshops gibt es noch obendrauf, am 23. Mai 2015 im SO 36, Berlin: „FETT VOLL FEIERN!“ 

Bild: (cc) Frankfurter Kranz von Hans auf Pixabay. Plakat: Joshua Klein

 

Facebooktwittermail
weiter

“Diamonds Are a Girl’s Best Friend” – so besang Marilyn Monroe in den 1950er Jahren die ikonischen Edelsteine, die seit jeher als Inbegriff von glamorösem Schmuckstück gelten. Und schon diese Formulierung deutet an: Schmuck ist nicht nur Statussymbol oder schönes Beiwerk – seine Wirkmacht geht weit über seine ästhetische Funktion hinaus. Sei es das schutzbringende Amulett, die gerade modische Kette oder auch der Ring des Großvaters, in dem er anwesend scheint: Schmuck entzieht sich der Eindeutigkeit und scheint gerade heute mehr denn je Schnittstellen und Ambivalenzen zu besetzen und zu markieren.

In der 27. Sendung der Kulturwelle widmen wir uns genau diesen Spannungen und wollen etwas genauer nachfragen: Was sagt uns dieses Phänomen, das uns als ästhetischer Gegenstand und zeichenhaftes Statussymbol, als banaler Zierrat und bedeutungsgeladenes Fetischobjekt begegnet? Wie gehen wir heute mit Schmuck um – und was macht der Schmuck mit uns?

Im Studio begrüßen wir dazu den Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Hartmut Böhme. Wir verfolgen nach, wie und warum ein einfaches geometrisches Schmuckstück wie das Dreieck zum Erkennungsmerkmal des diffusen Sozialtyps »Hipster« aufstieg. Anhand der immer beliebteren Praktik des Umschmelzens von geerbeten Schmuckstücken erkunden wir dann, wie sich Erinnerungskulte mit modischem Anspruch vertragen – und ob wir beim Verhandeln dieser Spannung dem Schmuck nicht vielleicht doch mehr Macht über uns verleihen, als uns geheuer ist.

Schließlich macht auch eine neue Rubrik Premiere. Im Druckerraum des Instituts stellen wir frischgebackenen Absolventen zwischen Papierstau und Tintenflecken die drängende Frage: “Was druckst du?”

Eine Sendung von Constantin Hühn, Nikita Hock und Sebastian Schwesinger

 

 

download Download | Musik der Sendung | Veranstaltungstipps

Das Buch Von der Reliquie zum Ding von Stefan Laube erschien 2011 im Akademie-Verlag und beschäftigt sich mit der materiellen Kultur des Christentums: ISBN-Suche

Die Dissertation Im Leibe Wohnen von Claudia Benthien liefert einen kulturanthropologischen Querschnitt durch Hautbilder. Sie ist ebenfalls veröffentlicht als Haut. Literaturgeschichte – Körperbilder – Grenzdiskurse in Rowohlts Enzyklopädie: ISBN-Suche

Die Ausstellung Bin ich schön läuft noch bis zum 23. Februar 2014 im Museum für Kommunikation. Das Programm findet sich unter: http://www.mfk-berlin.de/bin-ich-schoen/

 

Facebooktwittermail
weiter
Ein Beitrag von Nane Jeberien

Geometrisch, vollkommen, hübsch. Viele tragen es, doch kaum jemand würde es so nennen: Das Hipsterdreieck. Das einprägsame Motiv ist zu einem vielfältigen Schmuckstück einer Gruppe Individueller geworden – und zeigt, wie flüchtig seit jeher Schmuckstücke und -zeichen in unserer Kultur sind. Trotzdem nimmt jeder  Schmuckträger das Dreieck anders wahr, wodurch ihm stets eine neue, unterschiedliche Bedeutung zugeschrieben wird.


download Download

Ausgestrahlt in:
Sich Schön Machen. Vom kulturellen Sinn des Schmückens

Bild: (cc) brass triangles von jen collins

Facebooktwittermail
weiter
Ein Beitrag von Jennifer Weese

Die Eheringe der Großeltern oder die Kette der Mutter: Erbstücke werden häufig weitergereicht und bleiben somit in der Familie.Was damals ein unfassbar wertvolles Stück war, mag heute für viele einfach nur noch ein altes Schmuckstück sein. Doch was, wenn das Schmuckstück nicht gefällt, man Omas Ring aber dennoch behalten möchte, da es mehr als Erinnerungsstück, denn als Wertstück gesehen wird? Wie wird heute mit vererbtem Schmuck umgegangen und welche Bedeutung erfahren solche Erbstücke heute?


download Download

Ausgestrahlt in:
Sich Schön Machen. Vom kulturellen Sinn des Schmückens

Bild: (cc) (Ohne Titel) von Lee Davy

Facebooktwittermail
weiter

Die Metropolen werden, freiwillig oder unfreiwillig, in Zukunft zum natürlichen Lebensraum der Menschen werden. Die Stadt nimmt in der Rangfolge menschlicher Siedlungspraktiken eine zentrale Rolle ein. In ihr treffen unterschiedlichste Lebensstile, Traditionen und Interessengruppen aufeinander. Die Stadt ist ein „Zukunftslabor“, ein kultureller Speicher, eine Sinnprovinz.

In dieser Sendung wir uns die Frage, wie wir, MetropolistInnen, diesen selbstgeschaffenen Lebensraum „Stadt“ wahrnehmen und sinnlich erfahren. In der Stadt sind unsere Sinne jederzeit aktiv: Wir sehen, hören und riechen sie: die Stadt, ihr Leben, ihre Bewegung und ihre Schlaflosigkeit. Der Anblick von Monumentalbauten und Häusermeeren, das Getöse von Verkehr und Baustelle, der Geruch von U-Bahnschächten – die Stadt ist ein sensorischer Supergau.

Mit Prof. Holger Schulze, der sich in seiner Forschung den Sound & Sensory Studies verschrieben hat, werden wir durch die Straßen Berlins laufen. Wir werden darüber sprechen, wie wir uns urbane Räume aneignen. Sie wortwörtlich verinnerlichen und zu einem vertrauten Raum werden lassen. Wie verändert das städtische Leben unsere Identität? Wie transformiert uns die Stadt und wie transformieren wir sie?

Mit dem Künstler Jon Dickens, der das Projekt „Berlin Wall of Sound“ konzipiert und umgesetzt hat, sprechen wir zum Abschluss über die Wege einer klanglichen Aufarbeitung von Stadtgeschichte. Wo und wie muss man hinhören, um die Erinnerungen der Stadt auszulesen? Welche Ereignisse schreiben sich in eine Stadt ein oder werden bewusst ausradiert? Wie wirkt sich Bewahren und Verwerfen auf das Selbstbild einer Stadt aus?

Eine Sendung von Sebastian Schwesinger und Nikita Hock

 

 

download Download | Musik der Sendung | Veranstaltungstipps

 

Facebooktwittermail
weiter