Was hat Körperlichkeit mit dem Aufstieg des Rechtspopulismus zu tun? Hat die Trennung zwischen einem »vernünftigen«, politischen Kopf und dem »unvernünftigen«, triebhaften Körper jemals funktioniert? Ist Hillary Clinton nicht Präsidentin geworden, weil sie einen Frauenkörper hat?

Die jüngsten politischen Entwicklungen stellen die Frage nach dem Zusammenhang von Körper und Politik mit neuer Dringlichkeit. In der Kulturwelle Afterhour #005 sprechen wir mit dem Affektforscher Rainer Mühlhoff und der Kulturwissenschaftlerin Claudia Bruns darüber, wie Politisches »verkörpert« wird und Körper politisch werden – und fragen danach, wie wir über die Geschichte und Theorie politischer Körper unsere Gegenwart besser verstehen können.

 

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„In dem Oberteil siehst du aber ganz schön dick aus!“ Für viele eine Beleidigung. Dann doch lieber um- oder den Bauch einziehen. Und lieber nur die kleine Portion im Restaurant. Und den Nachtisch lass ich lieber ganz weg. Vielleicht doch mal diese neue Diät ausprobieren? Wer hat die Deutungshoheit über den schönen, den normalen, den begehrenswerten und den gesunden Körper? Und wie kann ein Gegenentwurf aussehen?

Das erklären die drei Protagonistinnen dieses Features: Sie sind Fettaktivistinnen und Teil einer körper- und fettpositiven Gegenkultur. Die politische Bildnerin Magda Albrecht, die Aktivistin Kristina Kuličová und die Bloggerin Anna Kumher zeigen, wie Vorstellungen über Dicksein im Alltag Normen setzt – von Mode bis Medizin, Freibad bis Flugzeugsitz – und wie sie dagegen vorgehen. Ihre Strategien und Interventionen ähneln denen von anderen feministischen Kämpfen um Identitätspolitiken: Coming Out, Begriffe wieder aneignen und neu besetzen, eigene soziale Schutzräume schaffen.

Warum binden soziale Normen nicht mehr? Warum erzeugen sie Abwehrreaktionen? Wie verhandeln sie die Beziehung zwischen vorherrschendem Diskurs und individuellem Körper neu? Und reicht die Aufdeckung zum Öffnen neuer Handlungsspielräume? Die Protagonist_innen zeigen uns: Das Persönliche ist immer noch politisch. Ideologien und Bewertungen werden immer kulturell hergestellt und sind alles andere als natürlich. Das gibt uns den Raum, sie zu hinterfragen und zu dekonstruieren.

Ein Feature von Lara Deininger

 

 

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Wer sich gerne mehr in das Thema vertiefen möchte, kann auf diese beiden Literaturtipps zurückgreifen:

Henning Schmidt-Semisch und Friedrick Schorb (Hg.): Kreuzzug gegen Fette. Sozialwissenschaftliche Aspekte des gesellschaftlichen Umgangs mit Übergewicht und Adipositas. 2008. Wiesbaden. [Buch in der DNB]

Eva Barlösius: Dicksein. Wenn der Körper das Verhältnis zur Gesellschaft bestimmt. 2014. Frankfurt/New York. [Buch in der DNB]

Keine Lust auf Lesen sondern aktiv diskutieren? Das ist unter anderem auf der 3rd Annual Weight Stigma Conference vom 18. – 19. September 2015, Reykjavik Universität, Island  möglich.

Eine Themenparty im Mai mit Show und Workshops gibt es noch obendrauf, am 23. Mai 2015 im SO 36, Berlin: „FETT VOLL FEIERN!“ 

Bild: (cc) Frankfurter Kranz von Hans auf Pixabay. Plakat: Joshua Klein

 

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Ein Beitrag von Theresa Kauder

Gender Parodie ist eine weit wirkende subversive Strategie mit starker politische Aussage, die nicht nur in der wissenschaftlichen Theorie sondern auch in der Gesellschaft für Aufmerksamkeit sorgt. Eine überhöhte Betonung und wirksame Darstellung des Körpers ermöglicht es Heteronormativitäten aufzuspüren und zu hinterfragen, ohne jedoch nicht mit neuen Fragen und Problemen zu konfrontieren.

Ist all dies bloß subkulturelle Praxis oder bereits kunstgewordene Geschlechterpolitik?


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Ausgestrahlt in: Mikrorevolutionen. Widerstand in Theorie und Praxis

Bild: Portrait of a woman seated in a garden by Powerhouse Museum. From Flickr. No certain rights.

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Mama war in der Gewerkschaft, Papa saß im Betriebsrat, vielleicht demonstrierte die Tante für die Gleichberechtigung und 68 war sowieso alles anders. Früher schien politische Teilhabe noch klar strukturiert und in hart erkämpften Institutionen realisierbar. Doch sind diese Vorstellungen von Veränderungsprozessen, die weite Teile des 20. Jh. geprägt haben, heute weiterhin aktuell? Wie und wo wird heute Widerstand geleistet? In Parteien, Akademien, auf der Straße und der Bühne? Oder sind wir tatsächlich in einer politischen Lethargie gefangen, wie sie so oft von den Mahnern der Demokratie beschworen wird?

In der 26. Sendung der KulturWelle wollen wir der Widerständigkeit in ihren historischen Gewändern folgen. Dazu verfolgen wir aktuelle Genderparodien mihilfe von Dr. Eva Krivanec zurück zu ihren historischen Vorläufern und betrachten beide im Lichte aktueller Theorieangebote. Im Anschluss diskutieren wir mit Juniorprof. Philipp Felsch über die problematische Kluft zwischen politischer Theorie und politischem Handeln.

Eine Sendung von Julian Baller und Theresa Kauder

 

 

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Die Ringvorlesung Subversion und Politische Differenz mit Simon Critchley, Iris Därmann, Oliver Marchart, Chantal Mouffe und vielen mehr findet ab dem 20. Oktober 2014 wöchentlich statt. Genaue Angaben gibt es auf http://subversionandpoliticaldifference.com

Das Buch Nach dem Ende der Geschichte – Vom Arabischen Frühling bis zur Occupy Bewegung von Srecko Horvat erschien 2013 im Laika verlag und kan hier gefunden werden: ISBN-Suche

Drag Workshop an der Humboldt-Univeristät Berlin wird einmal im Semester veranstaltet – wann, kann hier eingesehen werden: https://www.facebook.com/lgbtireferat.huberlin

 

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