Afterhour #012: Alchemie – Geschichten aus dem Labor der frühen Neuzeit

1460 bringt ein Gelehrter wiederentdeckte Schriften nach Florenz: Platons Dialoge und das »Hermetische Korpus«. Letzteres gilt als die älteste Schrift der Welt, und so lässt Cosimo de‘ Medici den Hermetischen Korpus auch zuerst – vor Platon – übersetzen. Der Inhalt erschüttert die Grundfesten des mittelalterlich-christlichen Weltbilds: Der Mensch wird darin als »Bruder« Gottes beschrieben, der auch in den Schöpfungsprozess eingreifen darf und soll.

Was folgt, ist eine das 15. und 16. Jahrhundert umspannende Telenovela, in der allerlei Alchemiker variierender Dubiosität genauso mitspielen wie ein junges Königspaar, das in Prag eine »alchemische Dynastie« gründen will (was vom 30-jährigen Krieg verhindert wird). Auch ein gewisser Isaac Newton steckt tiefer mit drin, als man heute denken würde.

Im Rahmen unserer Reihe zu nicht-hegemonialen Wissensformen nehmen wir uns diesen Freitag der Alchemie an. Welche Vorstellungen von Wissenschaft und Religion, von Materie und Geist prägen sie – und was ist ihre politische Position zwischen Aufklärung, Reformation und Frühkapitalismus? Diese und andere Fragen klären wir im Gespräch mit unserem Studiogast, dem Historiker und Kulturwissenschaftler Stefan Laube.

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Wir konnten natürlich nur einige essentielle Stoffe aus der reichen Gedankenwelt und Geschichte der europäischen Alchemie destillieren. Für mehr gibt es hier einige Startpunkte:

Über den Retortenrand geblickt – zwei ältere, aber spannende Bücher:

  • Für den weiteren Einfluss des Hermetischen Korpus empfiehlt sich ein Blick in die nicht unumstrittene, aber als Einführung wunderbar geeignete Monographie von Frances Yates unter dem Titel Giordano Bruno and the Hermetic Tradition, ISBN 9780226950075
  • Der Historiker D. P. Walker zeigt den Einfluss »magischen« Denkens in der Renaissance in seinem Buch Spiritual and Demonic Magic: From Ficino to Campanella. University Park, Pa.: Pennsylvania State University Press, 2003., ISBN 978-0271020457
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