13.01.2017 | Aktuelle Afterhour

Afterhour #006: Radio Nasal

In Nikolaj Gogols Erzählung „Die Nase“ von 1836 findet ein Barbier eine abgeschnittene Nase in seinem Frühstücksbrot. Gleichzeitig erwacht ein Beamter – wie sonst – ohne Nase. Er macht sich auf die Suche, begenet sogar seiner Nase, allerdings entwischt sie ihm. Seit Gogols modern-surrealistischer Erzählung avant la lettre muss sich niemand mehr wundern, so schreibt die Zeit zu Gogols 200. Geburtstag, wenn er eines morgens als Käfer erwacht.

In der Afterhour #6 nehmen wir uns der Nase an – nicht nur der Erzählung, sondern des Körperteils, der so sehr ins Auge springt und seit der Aufklärung doch verdrängt scheint. Wo Gott Adam den Lebenshauch einflößte, ist heute der Sitz zweifelhafter Konnotationen – Nasen werden in fremde Angelegenheiten gesteckt, wer lügt bekommt eine lange Nase, ihr wisst, was man über Männer mit langen Nasen sagt – den Verbindungen vieler dieser Redewengungen und Klischees zum historischen und gegenwärtigen Antisemitismus wollen wir besondere Aufmerksamkeit schenkten.

Ist die Nase ein verdrängter Körperteil, der immer wieder zurückkehrt?

Außerdem: Techno und Nasenflötenmusik.

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16.12.2016 | Aktuelle Magazinsendung

Strömungswechsel – Eine Verabschiedung des Kulturwelle-Magazins

Die Kulturwelle ist tot, es lebe die Afterhour – das ist unser Motto während der letzten Monate gewesen. In dieser Sendung außer der Reihe wollen wir unsere bewährte Magazinsendung nun noch ein letztes Mal wiederbeleben, um diesem Vorläuferprojekt einen würdigen Abschied zu bereiten. Wir fragen noch einmal, gemeinsam mit früheren Mitstreiter*innen, welche Visionen am Anfang dieses »kultur-wissenschaftlichen Radiomagazins« standen und welche (zum Teil überraschenden) Umsetzungen sie im Laufe der Jahre erfahren haben. Wir graben unsere Lieblingsschnipsel aus und erinnern uns an die schönsten Sendemomente. Wir schauen aber auch nach vorn, um herauszufinden: Was bleibt von der Kulturwelle und an welche Ufer mag sie noch anbranden?

Eine Sendung der gesamten Redaktion

 

 

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Bild: von

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Aktuelle Beiträge

Ein Beitrag von Neela Janssen
Viele Methoden der Pränataldiagnostik gehören bereits heute wie selbstverständlich zu einer Schwangerschaft in Deutschland dazu. Das Ziel der Untersuchungen ist dabei klar: Man möchte ein gesundes Kind zur Welt bringen und dabei schon in der Schwangerschaft alles für eine sichere Zukunft des Babys tun.

Eine besonders ambivalente Rolle nimmt dabei der Arzt ein: Ist er nun entziffernder Experte oder reines Sprachrohr für medizinische Daten, Produzent oder Medium von Zukunftswissen? In welchem Verhältnis steht er zu den hoffnungsvollen Eltern, dem geheimnisvollen Labor, der auf Zukunft gerichteten Gesellschaft? Lassen sich hier vielleicht sogar Echos antiker Orakel, ja der alttestamentlichen Propheten erkennen?

Ein Beitrag über aktuelle Techniken der Pränataldiagnostik und ihre Parallelen in vormodernen Techniken der Vorhersage.

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Ausgestrahlt in: »Vor-Sicht! Vor-Sorge!« – Über das Wissen, Gestalten und Verhindern von Zukünften

Bild: The Crystal Ball von John William Waterhouse

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Ein Beitrag von Tina Krell

»Nicht anklopfen!« Oder doch? Ein Abend vor dem Radio. Genüsslich gibt man sich dem medialen Konsum hin. Doch da funkt einer ständig dazwischen, und zwar niemand geringeres als der Frankfurter Professor Theodor W. Ein Mini-Hörspiel zu internalisierten Ideologien und dem Umgang mit der Störung.


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Ausgestrahlt in: Hörigkeit. Medium und Ideologie

Bild: (cc) TV Static Screenshot 2 von Justin March

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Ein Beitrag von Maria Dubova

In den frühen 1960er Jahren geht in der Sowjetunion zum ersten Mal ein buntes Heft von Hand zu Hand. In die Bindung sind papierdünne, abspielbare Flexidiskplatten eingelassen: Die Schallplatten-Rundschau, russischer Titel Krugozor.

Einmal aufgeschlagen, präsentierte das multimediale Magazin den Lesern und Zuhörern eine seltsame Mischung: Leninreden fanden hier Platz neben gesungenen Reportagen bekannter Liedermacher; ethnographische Aufzeichnungen vom Rand des Imperiums teilten sich die Nadelspur mit ideologisch suspekter, aber umso beliebterer Westmusik.

Wie kam es zu dieser seltsamen Mischung aus „multimedialer Bildung für das ganze Volk“ und staatlich verordneter Propaganda? Wer hat den Krugozor gestaltet, wer hat ihn gehört – und wie? Eine kleine Spurensuche mit Unterstützung ehemaliger Fabrikarbeiter, nostalgischer Redakteure und passionierter Amateursammler, vom Dachboden der Großeltern bis in Schallplattenarchive in Moskau.


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Ausgestrahlt in: Hörigkeit. Medium und Ideologie

Bild: Обложка журнала "Кругозор" апрель 1970 von Andshel auf Wikipedia

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Ein Beitrag von Jürg Andreas Meister

Woher kommt der Mensch, wohin geht er? Sicher ist nur, wie er geht – nämlich zu Fuß. Doch immer mehr Technologien machen unsere Beine überflüssig und unser Leben geschmeidig. Eine akustische Spurensuche.


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Ausgestrahlt in: Mythen des Alltags. Eine akustische Buchinterpretation nach Roland Barthes

Bild: (cc) Selsley Common von Andy Waker

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Ein Beitrag von Constantin Hühn

In den 1950er Jahren entstand in Frankreich eine neue populistische Bewegung: der Poujadismus, so benannt nach seinem Gründer und Anführer Pierre Poujade. In den ‚Mythen des Alltags‘ kommt Roland Barthes immer wieder entmystifizierend auf das Auftreten und die Denkfiguren dieser Bewegung zu sprechen. An zentraler Stelle dieser Auseinandersetzung steht das Konzept des „gesunden Menschenverstands“. Der Beitrag zeichnet Barthes Analyse dieser „Philosophie des Kleinbürgertums“ nach und zeigt ihre Kontinuitäten wie Brüche im Hier und Heute auf.


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Ausgestrahlt in: Mythen des Alltags. Eine akustische Buchinterpretation nach Roland Barthes

Bild: (cc) Communes, Law & Common Sense von Chris Drumm

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