15.06.2016 | Aktuelle Sendung

Quantify Thyself! Selbstvermessung in Geschichte und Gegenwart

Wie viele Schritte bin ich heute gegangen? Wie effizient meditiere ich? Um wieviel produktiver werde ich durch ein Stück Butter im Kaffee? Und was sagen meine gesammelten Tippfehler über mein Selbst aus?

Mit Selftracking-Apps und Smartphone-Zubehör sind Fragen wie diese zu alltäglichen Begleitern geworden. Schlanke Fitness-Armbänder messen Puls und Kalorienverbrauch nicht nur beim Sport, sondern auch beim Treppensteigen oder beim Tanzen im Club. Die Selbstvermessung, die viele nur nebenbei betreiben, ist sogar zum Hauptinteresse einer ganzen Bewegung geworden, die sich »Quantified Self« nennt. Nach dem Leitspruch »Selbst-Erkenntnis durch Zahlen« wird versucht, neuen und tieferen Wahrheiten über das eigene Selbst auf die Spur zu kommen. Die philosophische Aufforderung des antiken Orakels: »Erkenne dich selbst« scheint dabei einem Aufruf zur Datenerhebung zu weichen: »Quantify thyself«.

In der Sendung nehmen wir den Trend zur digitalen Selbstvermessung zum Anlass, mit mehr...

unserem Studiogast Antonio Lucci der Kulturgeschichte der Selbstbeobachtung nachzuforschen: Wie sahen frühere Strategien aus, sich dem »Selbst« zu nähern? Welche Selbsttechniken wurden dazu genutzt? Und was ist eigentlich neu am »Quantified Self«? Dabei spielt auch die Geschichte der Messtechnik eine wichtige Rolle, zu der wir die Kulturwissenschaftlerin Anna Echterhölter befragt haben. Ein historischer Blick verrät, dass die Selbstvermessung nicht nur als Mittel der Erfahrung und Emanzipation verstanden werden kann, sondern dass das Verhältnis zwischen dem Selbst und seiner Quantifizierung wesentlich komplexer ist. Die Vermessung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einem engen Netz aus Machtbeziehungen und Interessen, das wir in unserer Live-Sendung erkunden.

Eine Sendung von Constantin Hühn, Jann Mausen, Johanna Tirnthal und Alina Topf

 

 

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Bild: L'Uomo Vitruviano von Leonardo da Vinci | Photo von Luc Viatour | Poster von Kulturwelle

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Aktuelle Beiträge

Ein Beitrag von Neela Janssen

Viele Methoden der Pränataldiagnostik gehören bereits heute wie selbstverständlich zu einer Schwangerschaft in Deutschland dazu. Das Ziel der Untersuchungen ist dabei klar: Man möchte ein gesundes Kind zur Welt bringen und dabei schon in der Schwangerschaft alles für eine sichere Zukunft des Babys tun.

Eine besonders ambivalente Rolle nimmt dabei der Arzt ein: Ist er nun entziffernder Experte oder reines Sprachrohr für medizinische Daten, Produzent oder Medium von Zukunftswissen? In welchem Verhältnis steht er zu den hoffnungsvollen Eltern, dem geheimnisvollen Labor, der auf Zukunft gerichteten Gesellschaft? Lassen sich hier vielleicht sogar Echos antiker Orakel, ja der alttestamentlichen Propheten erkennen?

Ein Beitrag über aktuelle Techniken der Pränataldiagnostik und ihre Parallelen in vormodernen Techniken der Vorhersage.

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Ausgestrahlt in: »Vor-Sicht! Vor-Sorge!« – Über das Wissen, Gestalten und Verhindern von Zukünften

Bild: The Crystal Ball von John William Waterhouse

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Ein Beitrag von Tina Krell

»Nicht anklopfen!« Oder doch? Ein Abend vor dem Radio. Genüsslich gibt man sich dem medialen Konsum hin. Doch da funkt einer ständig dazwischen, und zwar niemand geringeres als der Frankfurter Professor Theodor W. Ein Mini-Hörspiel zu internalisierten Ideologien und dem Umgang mit der Störung.

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Ausgestrahlt in: Hörigkeit. Medium und Ideologie

Bild: (cc) TV Static Screenshot 2 von Justin March

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Ein Beitrag von Maria Dubova

In den frühen 1960er Jahren geht in der Sowjetunion zum ersten Mal ein buntes Heft von Hand zu Hand. In die Bindung sind papierdünne, abspielbare Flexidiskplatten eingelassen: Die Schallplatten-Rundschau, russischer Titel Krugozor.

Einmal aufgeschlagen, präsentierte das multimediale Magazin den Lesern und Zuhörern eine seltsame Mischung: Leninreden fanden hier Platz neben gesungenen Reportagen bekannter Liedermacher; ethnographische Aufzeichnungen vom Rand des Imperiums teilten sich die Nadelspur mit ideologisch suspekter, aber umso beliebterer Westmusik.

Wie kam es zu dieser seltsamen Mischung aus „multimedialer Bildung für das ganze Volk“ und staatlich verordneter Propaganda? Wer hat den Krugozor gestaltet, wer hat ihn gehört – und wie? Eine kleine Spurensuche mit Unterstützung ehemaliger Fabrikarbeiter, nostalgischer Redakteure und passionierter Amateursammler, vom Dachboden der Großeltern bis in Schallplattenarchive in Moskau.

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Ausgestrahlt in: Hörigkeit. Medium und Ideologie

Bild: Обложка журнала „Кругозор“ апрель 1970 von Andshel auf Wikipedia

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Ein Beitrag von Jürg Andreas Meister

Woher kommt der Mensch, wohin geht er? Sicher ist nur, wie er geht – nämlich zu Fuß. Doch immer mehr Technologien machen unsere Beine überflüssig und unser Leben geschmeidig. Eine akustische Spurensuche.

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Ausgestrahlt in: Mythen des Alltags. Eine akustische Buchinterpretation nach Roland Barthes

Bild: (cc) Selsley Common von Andy Waker

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Ein Beitrag von Constantin Hühn

In den 1950er Jahren entstand in Frankreich eine neue populistische Bewegung: der Poujadismus, so benannt nach seinem Gründer und Anführer Pierre Poujade. In den ‚Mythen des Alltags‘ kommt Roland Barthes immer wieder entmystifizierend auf das Auftreten und die Denkfiguren dieser Bewegung zu sprechen. An zentraler Stelle dieser Auseinandersetzung steht das Konzept des „gesunden Menschenverstands“. Der Beitrag zeichnet Barthes Analyse dieser „Philosophie des Kleinbürgertums“ nach und zeigt ihre Kontinuitäten wie Brüche im Hier und Heute auf.

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Ausgestrahlt in: Mythen des Alltags. Eine akustische Buchinterpretation nach Roland Barthes

Bild: (cc) Communes, Law & Common Sense von Chris Drumm

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